Muschipenis (Immergutrocken 2010 – Teil 1) [Cappui]
Alle Jahre wieder Ende Mai macht sich Sascha bekanntlich auf den Weg vom beschaulichen Kiel ins noch beschaulichere Neustrelitz an der mückengeplagten Mecklenburger Seenplatte. Immerhin ist es bereits das achte Immergut-Festival – sogar in Folge –, was bei meinen jungen 32 Lenzen damit immerhin fast ein Viertel der Letztes-Maiwochenende-Aktivitäten meines Lebens ausmacht. Man kann somit pathosgetränkt durchaus getrost sagen: Das Immergutrocken ist ein Teil meines Lebens.
Dass im Jahre 2010 schon im Vorfeld alles anders ist, wirkt zunächst befremdlich: Drei Bühnen statt zwei, unbekannte Bands statt guter, Fußballturnier in Alt- statt Neustrelitz – nur drei von vielen Neuerungen, die nach dem Jubiläumsfestival des Vorjahres (größtenteils) bedingt durch eine neue Veranstaltercrew anfallen. Immerhin bleibt entgegen anders lautender Gerüchte das Festivalgelände das gleiche, und auch die Anzahl der Ticketverkäufe wird nicht angehoben. Wobei man bei letzterem gar nicht sicher sein kann, denn das Immergut ist 2010 tatsächlich erstmals seit vielen vielen Jahren – ich selbst hatte dies noch nie erlebt – nicht ausverkauft.
Wieder einmal wird auf die bewährte Sascha & The Buried-Kiel-Crew um Tim, Tine und Offi gesetzt, wieder einmal entschließen wir uns für die Odyssee-esque Anreise mit der Deutschen Bahn mit Umstiegen in den vier wohl schönsten Üs Deutschlands: Lübeck, Büd Kleinen, Güstrow, Bützow. Bereits im Bummelzug durch Schleswig-Holstein zeigt sich, dass dieses Quartett nichts von seinem ihm angeborenen Charme verloren hat: Sascha freut sich über griechische Restaurants, Seen und Pferde, die vorbeirauschen. Offi findet letztere lecker und vergleicht Bahn- mit Schiff- und Skifahren. Und Tim hat die monatelange Vorbereitung in so große Kalauer wie „Plön ist schön“ investiert. Hammer! Nur manchmal sind wir alle gleichzeitig still. Dann bekommt man notgedrungen mit, was andere Menschen so während der Bahnfahrt reden – beispielsweise ein paar (pre-?)pubertäre Mädels einer Schulklasse, von denen wir allerdings nur Bruchstücke mitbekommen. Eins davon war: „... und wenn wir dann heiraten würden, würde ich mit Nachnamen Muschi Penis heißen.“ Das Schlagwort des Immergutrocken 2010 war damit geboren.
Da im Jahre 2010 aber alles anders ist, verpassen wir erstmals einen Anschlusszug, weil im Regionalzug von der nichthübschen Landes- in die hübsche Nichtlandeshauptstadt kein Bahnangestellter zugegen war, den man darum anbetteln konnte, den Anschlusszug ein Minütchen warten zu lassen. So sehen wir am Lübecker Bahnhof noch durch ein Fenster, wie sich unser Anschluss ohne uns und auch die andere Kieler Immergutgruppe um Matze und Kadda in Bewegung setzt. Dank einer App in Tims Hightech-Handy erfahren wir, dass Neubrandenburg irreführenderweise in Mecklenburg-Vorpommern liegt und wir daher mit unserem Schleswig-Holstein-Ticket eine neue Route nehmen können, bei der wir uns zwei Umstiege sparen können. Kostenpunkt: Zwei Stunden Verspätung.
Natürlich sind wir erst einmal angefressen, ausgebrannt, ja geradezu ausgeneubrandenburgt, dass wir in Lübeck zu einer Stunde Zwangsaufenthalt gezwungen werden. Aber wir machen das Beste draus und trinken erst einmal unser erstes Bier. Wir entschließen uns dazu, die Pfanddosen in den Müll zu schmeißen, weil sich kein geeigneter Abstellplatz für Pfandsammler am Bahnhof finden lässt. Wenige Sekunden später sehen wir dann einen Mann mit Gehwagen, der eben diesen Mülleimer durchsucht und unsere dummerweise zerdrückten Dosen wieder heraussammelt. Natürlich hätte er uns ja schon vorher nach den Dosen fragen können, aber dennoch beschleicht uns ein leicht schlechtes Gewissen, was dadurch, dass eine Nonne den Herrn kurz darauf anspricht und ihm ihre Hilfe anbietet, nicht gerade erleichtert wird. Unsere gute Tat zur Gewissensbisstilgung passiert aber nur wenig später: Wir nehmen einen Mann auf unserem Schleswig-Holstein-Ticket mit nach Bad Kleinen, damit dieser dort seine eigene gute Tat vollbringen kann. So sind wir: Wir haben extra nicht mehr Freunde, damit wir noch einen Platz im Notfall auf dem Ticket frei haben.
Der Rest der Fahrt verläuft glücklicherweise unspektakulär, und auch der letzte Umstieg vom Neustrelitzer Bahnhof zum Festivalgelände verläuft reibungslos. Mit Beruhigung stellen wir fest, dass der Großteil der Mitbahner bereits beim volleren und insgesamt asigeren Zeltplatz abbiegt und der idyllischere, schönere, bessere Zeltplatz neben der Post noch immer eher einen Geheimtipp darstellt. So beziehen wir wieder unseren Stammplatz und genießen es, dass die Zelte wie immer nicht so dicht an dicht stehen wie „drüben“. Dass es während des Zeltaufbaus zu schütten beginnt, was den dummen Sascha aber nicht davon abbringt, unbedingt noch den als Hintereingang fungierenden Haupteingang bis zum Ende aufzubauen, statt sich ins trockene Zelt zu retten, sei noch als Randnotiz genannt. Nach dem Schauer gibt’s noch ein Ankunftsbier, um dann das Wegbier zu öffnen – auf dem Weg zum Festivalgelände, denn es gilt, die ersten Bands zu begutachten.
Dass im Jahre 2010 schon im Vorfeld alles anders ist, wirkt zunächst befremdlich: Drei Bühnen statt zwei, unbekannte Bands statt guter, Fußballturnier in Alt- statt Neustrelitz – nur drei von vielen Neuerungen, die nach dem Jubiläumsfestival des Vorjahres (größtenteils) bedingt durch eine neue Veranstaltercrew anfallen. Immerhin bleibt entgegen anders lautender Gerüchte das Festivalgelände das gleiche, und auch die Anzahl der Ticketverkäufe wird nicht angehoben. Wobei man bei letzterem gar nicht sicher sein kann, denn das Immergut ist 2010 tatsächlich erstmals seit vielen vielen Jahren – ich selbst hatte dies noch nie erlebt – nicht ausverkauft.Wieder einmal wird auf die bewährte Sascha & The Buried-Kiel-Crew um Tim, Tine und Offi gesetzt, wieder einmal entschließen wir uns für die Odyssee-esque Anreise mit der Deutschen Bahn mit Umstiegen in den vier wohl schönsten Üs Deutschlands: Lübeck, Büd Kleinen, Güstrow, Bützow. Bereits im Bummelzug durch Schleswig-Holstein zeigt sich, dass dieses Quartett nichts von seinem ihm angeborenen Charme verloren hat: Sascha freut sich über griechische Restaurants, Seen und Pferde, die vorbeirauschen. Offi findet letztere lecker und vergleicht Bahn- mit Schiff- und Skifahren. Und Tim hat die monatelange Vorbereitung in so große Kalauer wie „Plön ist schön“ investiert. Hammer! Nur manchmal sind wir alle gleichzeitig still. Dann bekommt man notgedrungen mit, was andere Menschen so während der Bahnfahrt reden – beispielsweise ein paar (pre-?)pubertäre Mädels einer Schulklasse, von denen wir allerdings nur Bruchstücke mitbekommen. Eins davon war: „... und wenn wir dann heiraten würden, würde ich mit Nachnamen Muschi Penis heißen.“ Das Schlagwort des Immergutrocken 2010 war damit geboren.
Da im Jahre 2010 aber alles anders ist, verpassen wir erstmals einen Anschlusszug, weil im Regionalzug von der nichthübschen Landes- in die hübsche Nichtlandeshauptstadt kein Bahnangestellter zugegen war, den man darum anbetteln konnte, den Anschlusszug ein Minütchen warten zu lassen. So sehen wir am Lübecker Bahnhof noch durch ein Fenster, wie sich unser Anschluss ohne uns und auch die andere Kieler Immergutgruppe um Matze und Kadda in Bewegung setzt. Dank einer App in Tims Hightech-Handy erfahren wir, dass Neubrandenburg irreführenderweise in Mecklenburg-Vorpommern liegt und wir daher mit unserem Schleswig-Holstein-Ticket eine neue Route nehmen können, bei der wir uns zwei Umstiege sparen können. Kostenpunkt: Zwei Stunden Verspätung.
Natürlich sind wir erst einmal angefressen, ausgebrannt, ja geradezu ausgeneubrandenburgt, dass wir in Lübeck zu einer Stunde Zwangsaufenthalt gezwungen werden. Aber wir machen das Beste draus und trinken erst einmal unser erstes Bier. Wir entschließen uns dazu, die Pfanddosen in den Müll zu schmeißen, weil sich kein geeigneter Abstellplatz für Pfandsammler am Bahnhof finden lässt. Wenige Sekunden später sehen wir dann einen Mann mit Gehwagen, der eben diesen Mülleimer durchsucht und unsere dummerweise zerdrückten Dosen wieder heraussammelt. Natürlich hätte er uns ja schon vorher nach den Dosen fragen können, aber dennoch beschleicht uns ein leicht schlechtes Gewissen, was dadurch, dass eine Nonne den Herrn kurz darauf anspricht und ihm ihre Hilfe anbietet, nicht gerade erleichtert wird. Unsere gute Tat zur Gewissensbisstilgung passiert aber nur wenig später: Wir nehmen einen Mann auf unserem Schleswig-Holstein-Ticket mit nach Bad Kleinen, damit dieser dort seine eigene gute Tat vollbringen kann. So sind wir: Wir haben extra nicht mehr Freunde, damit wir noch einen Platz im Notfall auf dem Ticket frei haben.
Der Rest der Fahrt verläuft glücklicherweise unspektakulär, und auch der letzte Umstieg vom Neustrelitzer Bahnhof zum Festivalgelände verläuft reibungslos. Mit Beruhigung stellen wir fest, dass der Großteil der Mitbahner bereits beim volleren und insgesamt asigeren Zeltplatz abbiegt und der idyllischere, schönere, bessere Zeltplatz neben der Post noch immer eher einen Geheimtipp darstellt. So beziehen wir wieder unseren Stammplatz und genießen es, dass die Zelte wie immer nicht so dicht an dicht stehen wie „drüben“. Dass es während des Zeltaufbaus zu schütten beginnt, was den dummen Sascha aber nicht davon abbringt, unbedingt noch den als Hintereingang fungierenden Haupteingang bis zum Ende aufzubauen, statt sich ins trockene Zelt zu retten, sei noch als Randnotiz genannt. Nach dem Schauer gibt’s noch ein Ankunftsbier, um dann das Wegbier zu öffnen – auf dem Weg zum Festivalgelände, denn es gilt, die ersten Bands zu begutachten.
Cappui - 31. Mai, 19:10

Das Programm in diesem Jahr ist wirklich mehr als mies, aber immerhin gibt es einen Auftritt von Selig am 22. Juni. Also Grund genug, zumindest einen Abend wegzugehen. Vielleicht noch zu Illegal 2001 am Freitag. Und wer weiß: Möglicherweise steckt hinter dem "t.b.a." am Mittwoch auf der "Unser Norden"-Bühne ja doch noch jemand Gutes.

















































So ein bisschen das Gisbert-Prinzip: Maike Rosa Vogel? Was für ein selten dämlicher Künstlername. Und noch dazu hört ausgerechnet dieses durchgeknallte Mädel aus dem GHvC-Forum diese Maike. Dann kann das ja nicht gut sein!
Amanda Palmer ist bekanntlich eine Hälfte der Dresden Dolls. Als es hieß, sie würde ein Soloalbum veröffentlichen, war ich zunächst skeptisch. Als ich dann aber hörte, Ben Folds würde es produzieren, war ich gleich sehr aufgeregt. Und tatsächlich: Ihr Solodebüt klingt wie eine Mischung aus beiden Welten. Musikalisch nicht ganz so wahnsinnig wie die Dresden Dolls manchmal, dafür noch pianolastiger. Die Texte spielen teilweise eh in einer eigenen Liga.
Für Gisbert brauchte ich lange. Im Grunde viel zu lange. Irgendwie wollte ich mich zunächst auch gar nicht reinhören in die Musik dieses Hamburgers, der urplötzlich der neue heiße Scheiß im Forum war. Ausgerechnet der Gisbert, dessen Konzerte im Prinz Willy ich zu kiel4kiel-Zeiten schon immer ankündigen durfte, sollte nun der neue Messias sein? Das konnte und wollte ich mir auch nicht vorstellen.
Es war Mitte der 90er Jahre und MTV zeigte noch Musikvideos. Allerdings fast keine von aufstrebenden deutschen Bands, bis plötzlich die Sterne, Selig und eben auch die Nationalgalerie punkten konnten. Warum auch immer. Letztere hatten ihren Song "Evelin" ins Rennen geschickt. Ich mochte ihn. Mehr damals noch nicht. Auf dem Soundtrack zu "Das wahre Leben" - einer deutschen Version von "The Real World" - tauchte außerdem "Himmelhochjauchzend" auf, was ich deutlich besser fand. Das Album "Indiana" kaufte ich trotzdem nicht, und auch nicht den Nachfolger "Meskalin", viertes und letztes Album der Band.
Stell dir vor, du bist Teil einer Band kurz vor dem Durchbruch, schreibst fleißig Lieder für diese Band, doch die sagt dir einfach, dass deine Lieder nicht zum Stil passen. Die einzige Möglichkeit, sein Ego zu retten, ist: Diese Lieder selbst und solo zu spielen.
Was waren wir im Weezer-Forum im Herbst 2001 alle enttäuscht: Wegen der 9/11-Terroranschläge hatten Rivers Cuomo und Co. plötzlich akute Angst, nach Europa zu fliegen. Die Tour auf dem alten Kontinent - u.a. auch das Konzert in der Großen Freiheit, für das ich eine Karte besaß - wurde abgesagt, stattdessen tourte die Band dann noch einen Monat länger durch die Staaten. Dort waren sie eh erfolgreicher. Seitdem gierten wir mehr denn je nach Weezer-Konzerten in Europa, und als die Band dann irgendwann im Frühjahr 2002 einen Auftritt in Glasgow bekanntgab, gerieten nicht wenige in Versuchung, einen Flug dorthin zu buchen. Vorband übrigens: eine völlig unbekannte, einheimische Band namens Biffy Clyro.
Auch Voxtrot waren wieder so ein Internet-Blogger-Phänomen. Die Band wurde schon nach drei EPs so in den Himmel gelobt, dass man schon wusste, was kommen würde: Der Longplayer würde den hohen Erwartungen der Blogosphäre nicht standhalten können. Wenn man aber diesen Hype nicht so recht mitgemacht hatte, sondern sich erst anhand des selbstbetitelten Debüts mit der Band auseinandersetzte, blieb dann doch ein ganz ganz starker Gesamteindruck übrig. Ob schnellere Stücke wie "Kid Gloves" und "Firecracker" oder aber die mit Streichern unterlegte Pianoballade "Real Life Version" - insgesamt ist das eben doch ganz großes Cricket von Frontmann Ramesh Srivastava und seinen Mitstreitern.
Zu Scut kann ich nun wirklich kaum etwas erzählen, und manchmal frage ich mich, ob diese Band überhaupt existiert. Aufmerksam geworden durch eine Plattentests-Rezension, bei der die Wiesbadener mal eben so mit Nada Surf verglichen wurden. Richtig bei Songs wie dem Opener "This Thinly Veiled Metaphor" oder aber der Hymne "Over And Out". Bei schnelleren Stücken wie beispielsweise "Summer's Gone" klingen Scut eher wie Ash zu "Free All Angels"-Zeiten - also zu guten Ash-Zeiten. Insgesamt hält "This Is How It Feels When You Stumble" zehn Indiepop-Perlen bereit und liefert keinerlei Aussetzer.
In den Jahren 2006/07 war ich sehr im Labrador-Wahn. Labrador, das ist ein Label aus Schweden mit fast ausschließlich einheimischen Indiebands. Und das Schöne: Viele dieser Bands machten am Ende ihrer Deutschland-Tourneen zum Abschluss im Kieler Nachtcafé (bzw. Blauer Engel) Station, weil sie dann mit der Fähre zurück in ihre Heimat fuhren. Eines der wenigen Privilegien von Kiel, konzerttechnisch gesehen.
Hachja, die Locas: "(Verspätetes Lied für) Laura" wurde einst ausm Netz heruntergeladen und doch wieder vergessen. "Wartezimmer" tauchte Jahre später auf einem kleinen Sampler auf. Aber erst mit der "Affe & Reh EP" blieben die Locas In Love endgültig bei mir hängen. Dass sie es nicht auf meinen Jahressampler 2006 schafften, lag einzig und allein an meiner Festplatte, die Anfang Dezember 2006 ihren Geist aufgab und die bestellte EP erst Anfang 2007 in meinem Briefkasten aufschlug.
Schottland - für viele das Land des Jahres 2009, weil so viele gute Musik aus dem Norden Großbritanniens kam. Aereogramme aber verpassten diese Sternstunde, lösten sie sich doch Ende August 2007 auf. Immerhin haben sich Sänger Craig B und Gitarrist Iain Cook - ohnehin die wichtigsten Eckpfeiler der Band - wieder zusammengefunden und werden unter dem neuen Namen The Unwinding Hours im nächsten Jahr neues Material präsentieren.
Nichts ist je peinlicher, als einem bereits totgesagten und verpöhnten Genre nachzulaufen. Brand New waren alles andere, als ihr Bandname vermuten ließ, ihr erstes Album irgendwo in der längst abgefackelten Emo-Schublade wurde zurecht verrissen. Aber die Band gab nicht auf, das zweite Album titelte man passenderweise - aber erneut widersprüchlich zum Bandnamen - "Déjà Entendu" und wusste darauf tatsächlich in Ansätzen positiv zu überraschen. Die Emo-Anleihen wurden etwas runtergeschraut, an Hymnen wie "The Quiet Things That No One Ever Knows" oder "Sic Transit Gloria" kann man aber nicht mehr vorbei.
Den Urlaub im Februar 2007 in Hamburg erwähnte ich ja bereits. Einer der Gründe dafür war, dass ich eine schwedische Newcomer-Band namens Friska Viljor interviewen wollte. Deren Album "Bravo!" wurde mir eine Woche vorher zugeschickt und es war sofort die große Liebe: Zwei Männer in ihrer Midlifecrisis. Keiner von beiden kann singen, aber dafür machen sie um so mehr "lalala"s. Mal angefolkt, mal balkanesque Polka, aber immer mitreißend. Die Band spielte als Support von Eagle*Seagull im Knust die Hauptband in Grund und Boden und war ein Vierteljahr später auch das unumstrittene Highlight auf dem Immergut. Mittlerweile haben die Schweden drei Alben draußen, füllen zumindest in Deutschland schon die mittelgroßen Clubs und haben einen legendären Ruf dank ihrer großartigen Liveshows, bei denen sich spätestens zu "Shotgun Sister" wildfremde Menschen bierselig in den Armen liegen und mitgrölen. Zu einem Musikvideo hat es bei der Band aber noch immer nicht gereicht ...
Cold War Kids waren einer dieser Hypes direkt aus der Blogger-Dynastie. Nach Arcade Fire, Clap Your Hands Say Yeah!, Annuals und Birdmonster wurde es allerdings vielen auch schon zu bunt - auf Kosten der Cold War Kids. Zudem ist der frühe Herbst ja eh immer vollgepackt mit vielen spannenden Alben, so dass die Cold War Kids unterzuugehen schienen. Auch ich hatte mich mit der Band nicht groß beschäftigt.
Auch zu Get Cape. Wear Cape. Fly kann ich nicht viel schreiben leider. Hinter dem Bandnamen steckt das britische Wunderkind Sam Duckworth, der bereits mit 19 seinen Plattenvertrag bekam und mit 20 eben dieses Debüt veröffentlichte. Der Conor Oberst des alten Königreichs irgendwie. So weit ist das ganze nicht hergeholt, denn "The Chronicles Of A Bohemian Teenager" klingt in etwa so, als wenn Bright Eyes die beiden grundverschieden klingenden Alben "I'm Wide Awake, It's Morning" und "Digital Ash In A Digital Urn" nicht nur am selben Tag. sondern eben auf nur einem Tonträger veröffentlicht hätten. Singer-Songwriter-Folk mit großartigen Texten trifft auf elektronisches Zwischengeplucker.
Klez.E (sprich: [klisi:]) ist eine der Bands von Tobias Siebert, einem der begnadetsten Produzenten, die Deutschland zu bieten hat. Außerdem spielt er eben bei delbo und singt bei Klez.E. So ein bisschen Radiohead auf deutsch könnte man das nennen. Vom ersten Album mochte ich zunächst nur die Single "Realfernsehen", vom zweiten Album "Flimmern" in erster Linie das handgebastelte Cover-Artwork. Grund genug für mich, die CD zu kaufen.
In einer Zeit, in der MTViva noch wichtig für die Musikszene waren, hatte PeterLicht bereits seinen ersten großen Hit. "Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck" war ein sehr erfrischender Mix aus Popmusik, Elektroklängen und auch Indie-Attitüde - und genau deshalb konnte jeder diesem Lied etwas abgewinnen. Es folgte ein zweites Album mit der Single "Safarinachmittag" und eben im Jahr 2006 das große dritte Album. Von den Elektronikspielereien ist nicht mehr viel übrig geblieben, dafür aber machte PeterLicht ein Geheimnis aus sich selbst: Auf Pressefotos schwebt dann gerne mal eine Tasse vor seinem Gesicht, in der Harald-Schmidt-Show war er nur am Hals abwärts zu sehen.
Die Dresden Dolls hielt ich ursprünglich - bevor ich auch nur ein Lied von ihnen kannte - für eine Punkband. So ein "Dolls" am Ende ist ja immer gefährlich, und dazu noch eine deutsche Stadt im Bandnamen... muss Punk sein! Daher ging das erste Album auch spurlos an mir vorbei. Das zweite dann nicht mehr. Ging ja kaum. "Sing" war eine so wundervolle Popballade, die sogar auf Klingelton-MTViva rauf und runter lief. Ein kurzes Reinhören ins Album "Yes, Virginia" bestätigte: Die machen keinen Punk. Und irgendwie aber doch: Amanda Palmer und Brian Viglione nennen ihre Musik "Brechtsches Punk Cabaret". Kann man machen, muss man aber nicht. Amanda Palmer hatte wohl Angst, in die Gothic-Schiene reinzugeraten.
Es war irgendwann im Herbst 2004, vermutlich so Anfang November. Überall in der Stadt hingen kleine DinA4-Plakate, die ein Konzert der völlig unbekannten Band Voltaire im Nachtcafé ankündigten. Da ich damals für kiel4kiel.de schrieb, dachte ich, ich schau mir das mal an - kostet ja für einen Schreiberling nichts. Für die "Normalsterblichen" bedeutete dies acht Euro Eintritt, und es waren nicht wenige, die sich offenbar von den Plakaten anlocken ließen, am Eingang aber dann doch Kehrt machten. Für eine Band, die man mal gar nicht kennt (myspace war damals noch nicht so geläufig), zahlt man eben als Pärchen nicht mal so 16 Euro. Auch das für Kiel untypische milde Wetter hatte sicherlich seinen Anteil dran, dass viele wieder gingen und das Nachtcafé leider nicht so voll wurde.
Blame Canada, blame Canada... Malajube sind die ersten seit "Joe le taxi" von Vanessa "Sexy Zahnlücke" Paradis, die mich trotz französischer Texte in den Bann ziehen konnten. Und die ersten seit "Ca plane pour moi", bei denen es an der Musik lag. So gut, dass ich mich sogar drauf einließ, in Berlin ein Interview mit denen zu führen. Ich hatte zufällig eh gerade wegen u.a. eines Bright Eyes- und eines Virginia Jetzt!-Konzerts und natürlich wegen Knut im März 2007 eine Reise in die Hauptstadt geplant, von daher passte das also gut rein. Am frühen Freitagabend angekommen, dann aufs Malajube-Konzert und viel zu viel getrunken. Am Samstag dann mit Kater hin zu den heiligen Hallen von unser aller Berliner Lieblingslabel "City Slang". Auf dem Weg dorthin fiel mir dann ein: Was, wenn die überhaupt nicht englisch sprechen? Denn Französisch war nun nicht gerade mein Paradefach in der Schule gewesen... Ich hatte Glück: Malajube, zumindest der Bassist, den ich interviewte, konnte ganz gut englisch. Auf jeden Fall besser als ich. Das Interview geht als mein schlechtestes für immer in die Geschichte ein, schlimmer kann's nicht werden. Aber hej, dafür sah ich zwei Tage später Knut, den Uhl und den Conor - alle am selben Tag. Hammer!
Dredg die Zweite: Als ich diese Liste hier zusammensammelte, hatte ich letztlich rund 70 Alben auf dem Zettel (sprich: in der Textdatei). Ich beschloss, dies auf 50 Alben runterzukochen, denn 50 ist eine schön runde Nummer. Zuvor hatten viele Bands (u.a. Tomte, kettcar, Idlewild) zwei Alben in der Liste stehen, nach dem Ausmerzen blieb lediglich Dredg mit Doppelnennung übrig. Im Gegensatz zum insgesamt beachtlicheren "El Cielo" stehen auf "Catch Without Arms" die einzelnen Songs im Vordergrund. Das Album befindet sich nicht im Fluss, aber liefert einem dafür eine Hymne nach der anderen.
Es war mein allererstes Immergut im Jahre 2003, und viele der auftretenden Bands kannte ich gar nicht. Die Band, die mich am meisten positiv überraschte, waren The Robocop Kraus aus Nürnberg. In rot-weißen Anzügen standen die "Robos" auf der Zeltbühne, das Publikum flippte im Laufe des Konzerts völlig aus. Das Zelt hat diesen wunderbar elastischen Boden und man fühlte sich wie auf einem kleinen Trampolin, als die Band so Gassenhauer wie "Danny Is Passing" und besonders "Fake Boys" spielten.
Achtung: Hypeband! Maximo Park waren 2005 die ganz große Nummer in Indiehausen. Das Immergut bewies mal wieder ein gutes Händchen und verpflichtete die Band bereits Anfang des Jahres für den Sommer. Als das Festival dann Ende Mai bevorstand, waren Maximo Park plötzlich ganz groß und das Immergut tat gut daran, Maximo Park auf eine Headlinerposition zu hieven. Super-Konzert damals!
Auf den frühen King Kong Klub Plakaten standen noch Bandnamen drauf, damit Kiel auch weiß, worum es bei der Party überhaupt geht. Okkervil River standen dort auch drauf, wenngleich ich die Band dort nie gehört hatte. Vor allen Dingen aber wurden sie falsch geschrieben und hinterließen so einen frankophilen Eindruck: "Okkerville River" stand dort nämlich.
Um die Jahrtausendwende gab es ein Plattencover, welches mich in Geschäften immer magisch anzuziehen schien: "Hagnesta Hill" von Kent. Ich kannte aber die dahinter verborgene Musik nicht und kaufte das Album daher nicht.
Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass, Xylophon, Akkordeon, Harfe, Mandoline - Arcade Fire waren mit die ersten, die unter ihren Indierock folkloristische Klänge einbauten und damit große Erfolge feierten. Es folgten viele Nachahmer, einige davon sind auch richtig gut.





