Seabear und das IPad [Musik]
Eins steht mal fest: In der Werbebranche sitzen offenbar eine Menge sehr geschmackssicherer Menschen, was Musik betrifft. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass sich so manche LoFi-Indie-Songwriterperle als Hintergrundbeschallung in TV-Spots wiederfindet. So sehr es einen auch für den Künstler freut, wenn er durch die Nutzung seines Songs ein paar Monate lang seine Miete problemlos zahlen kann, so sehr läuft man als Musikfan allerdings auch Gefahr, dass man das Lied – und manchmal noch viel schlimmer: den Künstler – ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr ertragen kann. Dabei kommt es aber auch immer drauf an, wer denn bitteschön der Werbekunde ist.
Bestes Beispiel: Lisa Mitchells „Neopolitan Dreams“, welches im letzten Jahr erschreckenderweise für die deutsche Telekom Pate stehen musste. Nun ist Lisa Mitchell als Gewinnerin einer australischen Castingshow per se schon ein schwieriger Fall, aber damit konnte ich mich noch arrangieren. „Neopolitan Dreams“ hinterlässt aber seitdem einen faden Beigeschmack bei mir.
Der TV-Spot für NIKON-Digitalkameras hingegen benutzt das traumhaft schöne „Welcome Home“ von Radical Face. Hinter dem Bandnamen steckt mit Ben Cooper übrigens eine Hälfte des in Europa bekannteren Indielectro-Projekts Electric President. Das Lied werde ich auch weiterhin lieben können.
Ähnliches gilt auch für den Song „One, Two... One“ von Eric Elbogens Band „Say Hi (Yo Your Mom)“, welcher in der aktuellen Cadillac-Reklame läuft. Die Band kennt man hierzulande fast gar nicht, denn von den bislang sechs tollen Alben erschien in Europa nur ein einziges via Devilduck Records. Sehr schade.
Bei „You Always Make Me Smile“ von Kyle Andrews muss ich erst noch abwarten, ob mir der Song nicht vielleicht irgendwann aus dem Hals heraushängen wird. Unterschied zu den oben genannten Liedern ist hier aber schon einmal, dass ich weder den Sänger noch seinen Song vor der Werbung kannte.
Oftmals werden Lieder aber auch eigens für Werbespots „komponiert“: Als Grundlage wird einfach ein bereits existenter Song genommen und dieser an einigen wenigen Stellen verändert. Ich komme leider gerade nicht drauf, aber es existiert beispielsweise ein Song, der sowas von abgekupfert ist von Madonnas „Ray Of Light“. Ich dachte bislang, dass der Originalkünstler bei solchen offensichtlichen Kopien immerhin auch noch ein bisschen Geld bekommt. Aber wie ich vor wenigen Tagen gelesen hab, scheint dies nicht immer der Fall zu sein: Die isländische Indieband Seabear wunderte sich via Facebook sehr über die aktuelle IPad-Werbung: Im Hintergrund laufe doch zu Beginn eindeutig deren 2007er Song „I Sing I Swim“. Ich hörte schnell mal rein via Winamp und konnte den Unmut Seabears schon verstehen. Aber hört selbst: Hier die aktuelle IPad-Werbung:
Und hier das Video zu Seabears „I Sing I Swim“:
Verblüffenderweise scheint Apple nicht nur die Musik geklaut zu haben, denn Seabear präsentieren in ihrem Video sogar so etwas wie den Prototyp des IPad – nur, dass dieser sogar noch zusammenklappbar ist.
Bestes Beispiel: Lisa Mitchells „Neopolitan Dreams“, welches im letzten Jahr erschreckenderweise für die deutsche Telekom Pate stehen musste. Nun ist Lisa Mitchell als Gewinnerin einer australischen Castingshow per se schon ein schwieriger Fall, aber damit konnte ich mich noch arrangieren. „Neopolitan Dreams“ hinterlässt aber seitdem einen faden Beigeschmack bei mir.
Der TV-Spot für NIKON-Digitalkameras hingegen benutzt das traumhaft schöne „Welcome Home“ von Radical Face. Hinter dem Bandnamen steckt mit Ben Cooper übrigens eine Hälfte des in Europa bekannteren Indielectro-Projekts Electric President. Das Lied werde ich auch weiterhin lieben können.
Ähnliches gilt auch für den Song „One, Two... One“ von Eric Elbogens Band „Say Hi (Yo Your Mom)“, welcher in der aktuellen Cadillac-Reklame läuft. Die Band kennt man hierzulande fast gar nicht, denn von den bislang sechs tollen Alben erschien in Europa nur ein einziges via Devilduck Records. Sehr schade.
Bei „You Always Make Me Smile“ von Kyle Andrews muss ich erst noch abwarten, ob mir der Song nicht vielleicht irgendwann aus dem Hals heraushängen wird. Unterschied zu den oben genannten Liedern ist hier aber schon einmal, dass ich weder den Sänger noch seinen Song vor der Werbung kannte.
Oftmals werden Lieder aber auch eigens für Werbespots „komponiert“: Als Grundlage wird einfach ein bereits existenter Song genommen und dieser an einigen wenigen Stellen verändert. Ich komme leider gerade nicht drauf, aber es existiert beispielsweise ein Song, der sowas von abgekupfert ist von Madonnas „Ray Of Light“. Ich dachte bislang, dass der Originalkünstler bei solchen offensichtlichen Kopien immerhin auch noch ein bisschen Geld bekommt. Aber wie ich vor wenigen Tagen gelesen hab, scheint dies nicht immer der Fall zu sein: Die isländische Indieband Seabear wunderte sich via Facebook sehr über die aktuelle IPad-Werbung: Im Hintergrund laufe doch zu Beginn eindeutig deren 2007er Song „I Sing I Swim“. Ich hörte schnell mal rein via Winamp und konnte den Unmut Seabears schon verstehen. Aber hört selbst: Hier die aktuelle IPad-Werbung:
Und hier das Video zu Seabears „I Sing I Swim“:
Verblüffenderweise scheint Apple nicht nur die Musik geklaut zu haben, denn Seabear präsentieren in ihrem Video sogar so etwas wie den Prototyp des IPad – nur, dass dieser sogar noch zusammenklappbar ist.
Cappui - 28. Jul, 19:26

In manch ein Album hörte man auch einfach nur rein, weil einem das Cover besonders auffiel. „Dookie“ von der Band Green Day war eins davon. Es war Juli 1994, und dieses bunte Comic-Szenario einer von Bomben erschütterten Stadt fiel mir eines Nachmittags ins Auge. Ich hörte rein und passierte das, was viel zu oft passiert, wenn man das erste Mal in ein Album reinhört: Es gefällt einem nicht. Rückblickend ist es zwar gerade bei dem melodiösen 08/15-Poppunk, den Green Day auf ihrem Breakthrough-Album anboten, sehr verwunderlich, dass ich dafür mehr als einen Versuch brauchte. Aber es lag vielleicht daran, dass ich solche Musik zuvor nie hörte. Dieses Pseudo-Punkrevival befand sich halt noch ganz am Anfang, von The Offspring und Rancid hatte ich bis dahin – wie so ziemlich jeder – nie etwas gehört. Und selbst bereits in der Szene arrivierte Bands wie Bad Religion und NOFX kannte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, muss ich zu meiner Schande geschehen. Auch Green Day schienen keine Zukunft in meinem musikalischen Kosmos zu haben, denn nach drei oder vier Liedern von „Dookie“ wechselte ich bei WOM bereits den Kopfhörer.
Es war 1993, und analoge UKW-Radiosender benötigte man damals etwa genau so wenig für musikalische Weiterentwicklung wie heutzutage. Während man nowadays das Internet hat, so schaute man damals MTV, um sich über neue Musik zu informieren. Ja, die spielten damals tatsächlich fast ausschließlich Musik und hatten obendrein mit Ray Cokes' Show „Ray's Request“ (später „Most Wanted“) auch noch die unterhaltsamste Abendshow in der Glotze. Erschwerend für den Faktor „Radio“ kam hinzu, dass es in Schleswig-Holstein zu diesem Zeitpunkt für populäre, zeitgenössische Musik lediglich NDR 2 und den Privatsender R.SH gab, die sich – zumindest in dieser Zeit – beide in Sachen Einfallslosigkeit nicht viel nahmen.
Den Anfang macht ein Album, das auch in meinem musikalischen Passivwirken den Anfang machte (alte Klaus&Klaus-Kassetten mal ausgeklammert). Es war 1991, und wie so oft war ich über Pfingsten zu Gast bei meinen Cousins in Ditschiland (aka Dithmarschen). Den Grund dafür stellte Jahr für Jahr der große „Pfingstmarkt“ dar, also eine Art Jahrmarkt, nur dass er im Vergleich zur Kieler Kirmes nur über drei Tage ging und man nicht Gefahr lief, von Mettenhofern verprügelt zu werden. Nun gut: Die Dithmarscher Dorfjugend ist sicherlich nicht viel ungefährlicher, aber das wusste ich damals nicht und mir war auch nie irgendwas passiert (bis zu dieser eigenartigen Wodka-Geschichte mit dem Palmenmann einige Jahre später, aber das gehört hier nicht rein...). Auf jeden Fall gab es dort ein Fahrgeschäft nicht unähnlich dem „Metroliner“ im Hansa Park: Es geht schnell im Kreis und mal vorwärts und mal rückwärts. Einzig anders war, dass irgendwann während der Fahrt ein Verdeck über die einzelnen Wagen gestülpt wurde, damit man ungestört hätte knutschen können, weshalb dieses Gefährt dann auch irgendwie „Love Tunnel“ oder ähnlich hieß. Natürlich machten nicht nur wir, sondern auch alle anderen von diesem Gimmick keinen Gebrauch.
Kurz darauf beschließen Offi und ich, dann doch zum Fußballturnier zu gurken. Weil sich die Hooligans von Dynamo Berlin sowie deren Fans für die Fips-Asmussen-Kampfbahn in Neustrelitz angekündigt haben, findet das Immergutzocken in diesem Jahr in der Fips-Asmussen-Kampfbahn in Alt-Strelitz statt. Cleverer Schachzug. Der Busfahrer des Shuttlebusses wird bereits nach wenigen Sekunden zum Kult erklärt. „Genau so stellt man sich einen ostdeutschen Busfahrer vor“, meint Offi, und ergänzt dann: „Naja, einen westdeutschen auch.“ Es hat schon ein wenig Mannschaftsbus-Atmosphäre, wie wir dort in zweiter Reihe sitzend, mit Streuselschnecken und Bier im Rucksack auf weitere Mitfahrer warten.
Hachja, der Jonah Matranga. Wenn man mich nach den fünf wichtigsten, einflussreichsten Musikern für meinen Geschmack fragt, darf er einfach nicht fehlen. 2001 war es, als auch ich auf der hohen Emo-Welle surfte und das „Album des Monats“ in der Visions unbedingt konsumieren musste: „Thriller“ von New End Original war neben Thursdays „Full Collapse“ der endgültige Höhepunkt einer Szene, die nie eine eigene sein wollte und letztlich im Teenie-Screamo-Einheitsbrei unterging. New End Original galten dabei als „Supergroup“, denn sie bestand aus Mitgliedern der aufgelösten Bands Texas Is The Reason und Far. Beiden Bands näherte ich mich dann posthum an und war ebenfalls begeistert, insbesondere von „Water & Solutions“, dem vorerst letzten Werk Fars, der ersten Combo von Jonah Matranga.
Auf dem Festivalgelände dann erst einmal das obligatorische Torwandschießen. Nie zuvor hatte es für mich gereicht, mich direkt für das samstägliche Fußballturnier zu qualifizieren. Und diesmal: Ein Schuss, ein Treffer. Leider geht es so nicht weiter, so dass es bei diesem einen Tor bleibt und ich letztlich kein Losglück habe. Ein zweiter Treffer hätte definitiv gereicht, denn dieser St.Pauli-Mokel, der vor mir dran war, traf auch nur einmal und stand am nächsten Tag in der Fanmannschaft. Aber dazu kommen wir später.
Weiter mit der Musik: Vierkanttretlager im Zelt gefallen mir ganz gut, als Schleswig-Holsteiner muss man ja auch zusammenhalten. Als Official Secret Act auf der Waldbühne entpuppt sich die Band Official Secrets Act. Verrückte Welt! Offi wartet die ganze Zeit auf deren großen Hit und der kommt natürlich irgendwann ganz zum Schluss. Schlecht ist die Musik zwar nicht, aber schon irgendwie eintönig auf Dauer. Dann geht’s wieder zurück ins Zelt, wo We Were Promised Jetpacks schnell klarstellen, dass es ein Fehler war, sie nicht auf die große Bühne zu stellen. Das Zelt ist sehr gut gefüllt und besonders zu „Quiet Little Voices“ wird auch gut mitgesungen und -gefeiert. Dann aber ist es endlich Zeit für das unumstrittene Highlight des Immergut, auch wenn Offi da anderer Meinung ist. Soviel zum Thema unumstritten. The Go! Team machen mächtig Radau auf der Waldbühne, spielen alle Hits und einige neue Stücke. Tims Ankündigung im Vorfeld, die Band sei live sehr krachig, kann ich auf jeden Fall nicht unterschreiben. Sicherlich stehen die Gitarren mehr im Vordergrund als auf Platte, aber das hat schon noch alles Hand und Fuß. Ein sehr toller Auftritt, die Band kann man sich gerne noch einmal anschauen.





