Samstag, 19. Dezember 2009

Aereogramme - My Heart Has A Wish That You Would Not Go (29. Januar 2007) [Top 50]

AereogrammeSchottland - für viele das Land des Jahres 2009, weil so viele gute Musik aus dem Norden Großbritanniens kam. Aereogramme aber verpassten diese Sternstunde, lösten sie sich doch Ende August 2007 auf. Immerhin haben sich Sänger Craig B und Gitarrist Iain Cook - ohnehin die wichtigsten Eckpfeiler der Band - wieder zusammengefunden und werden unter dem neuen Namen The Unwinding Hours im nächsten Jahr neues Material präsentieren.

Aereogramme begannen in Metalgefilden, entfernten sich aber bereits mit dem zweiten Album "Sleep And Release" und dem Song "Black Path", der auch von Coldplay hätte stammen können, allmählich aus dem Genre. Im Jahr 2003 sah ich die Band auch erstmals live auf dem VISIONS Westend und war total ergriffen von diesen bärtigen Highlandern. Es folgte eine EP mit einem blutigen Kurzfilm und schließlich 2007 das dritte und leider letzte Album. Aber was für eines: Craig B entschied sich endgültig gegen das Schreien und für das Singen. Der bei "Black Path" eingeschlagene, gar nicht so schwarze Weg wurde konsequent weiterverfolgt, mit "My Heart Has A Wish That You Would Not Go" gelang Aereogramme eines der schönsten Alben dieses Jahrzehnts.

Brand New - The Devil And God Are Raging Inside Me (20. November 2006) [Top 50]

BrandNewNichts ist je peinlicher, als einem bereits totgesagten und verpöhnten Genre nachzulaufen. Brand New waren alles andere, als ihr Bandname vermuten ließ, ihr erstes Album irgendwo in der längst abgefackelten Emo-Schublade wurde zurecht verrissen. Aber die Band gab nicht auf, das zweite Album titelte man passenderweise - aber erneut widersprüchlich zum Bandnamen - "Déjà Entendu" und wusste darauf tatsächlich in Ansätzen positiv zu überraschen. Die Emo-Anleihen wurden etwas runtergeschraut, an Hymnen wie "The Quiet Things That No One Ever Knows" oder "Sic Transit Gloria" kann man aber nicht mehr vorbei.

So war die Musikwelt auch plötzlich gespannt auf einen Nachfolger. Brand New verloren aber zunächst ihr komplettes neues Album, welches ungemastert im Netz landete - und starteten neu. Heraus kam am Ende ein Werk, welches die ersten 27:18 Minuten wirklich alles richtig macht und nach ebendiesen ersten fünf Songs auch nicht groß nervt. Große Emotionen, tolle Gitarrenwände, Gänsehautatmosphäre - schade nur, dass Brand New auf dem 2009 erschienenen "Daisy" diesen Weg nicht weiterverfolgten und sich dort zunehmend in Geschrei und vermeintlichem Anspruch verhedderten.

Friska Viljor - Bravo! (13. Oktober 2006) [Top 50]

FriskaViljorDen Urlaub im Februar 2007 in Hamburg erwähnte ich ja bereits. Einer der Gründe dafür war, dass ich eine schwedische Newcomer-Band namens Friska Viljor interviewen wollte. Deren Album "Bravo!" wurde mir eine Woche vorher zugeschickt und es war sofort die große Liebe: Zwei Männer in ihrer Midlifecrisis. Keiner von beiden kann singen, aber dafür machen sie um so mehr "lalala"s. Mal angefolkt, mal balkanesque Polka, aber immer mitreißend. Die Band spielte als Support von Eagle*Seagull im Knust die Hauptband in Grund und Boden und war ein Vierteljahr später auch das unumstrittene Highlight auf dem Immergut. Mittlerweile haben die Schweden drei Alben draußen, füllen zumindest in Deutschland schon die mittelgroßen Clubs und haben einen legendären Ruf dank ihrer großartigen Liveshows, bei denen sich spätestens zu "Shotgun Sister" wildfremde Menschen bierselig in den Armen liegen und mitgrölen. Zu einem Musikvideo hat es bei der Band aber noch immer nicht gereicht ...

Cold War Kids - Robbers & Cowards (10. Oktober 2006) [Top 50]

ColdWarKidsCold War Kids waren einer dieser Hypes direkt aus der Blogger-Dynastie. Nach Arcade Fire, Clap Your Hands Say Yeah!, Annuals und Birdmonster wurde es allerdings vielen auch schon zu bunt - auf Kosten der Cold War Kids. Zudem ist der frühe Herbst ja eh immer vollgepackt mit vielen spannenden Alben, so dass die Cold War Kids unterzuugehen schienen. Auch ich hatte mich mit der Band nicht groß beschäftigt.

Bis zu eben jener Woche im Februar 2007, in der ich Urlaub bei einer Freundin in Hamburg machte. Nennen wir es Schicksal: Mein mp3-Player machte mal wieder Unsinn und löschte alle Einträge mit Ausnahme des Großteils von "Robbers & Cowards". Und beim täglichen U- und S-Bahnfahren verliebte ich mich dabei immer mehr und mehr in die Songs. In dieses Klaviergeklimper, diesen eingepflegten Blues, diese stets knapp am Ziel vorbeisingende Stimme. Wäre der mp3-Player nicht kaputtgegangen - dieses Album würde hier nicht auftauchen.

Get Cape. Wear Cape. Fly - The Chronicles Of A Bohemian Teenager (18. September 2006) [Top 50]

GetCapeAuch zu Get Cape. Wear Cape. Fly kann ich nicht viel schreiben leider. Hinter dem Bandnamen steckt das britische Wunderkind Sam Duckworth, der bereits mit 19 seinen Plattenvertrag bekam und mit 20 eben dieses Debüt veröffentlichte. Der Conor Oberst des alten Königreichs irgendwie. So weit ist das ganze nicht hergeholt, denn "The Chronicles Of A Bohemian Teenager" klingt in etwa so, als wenn Bright Eyes die beiden grundverschieden klingenden Alben "I'm Wide Awake, It's Morning" und "Digital Ash In A Digital Urn" nicht nur am selben Tag. sondern eben auf nur einem Tonträger veröffentlicht hätten. Singer-Songwriter-Folk mit großartigen Texten trifft auf elektronisches Zwischengeplucker.

Von Sam Duckworth wird man sicherlich noch einiges hören, auch wenn das zweite Album nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen konnte. Get Cape. Wear Cape. Fly stehen auf meiner Liste der Bands, die ich noch live sehen möchte, auf jeden Fall recht weit oben.

Klez.E - Flimmern (18. August 2006) [Top 50]

KlezEKlez.E (sprich: [klisi:]) ist eine der Bands von Tobias Siebert, einem der begnadetsten Produzenten, die Deutschland zu bieten hat. Außerdem spielt er eben bei delbo und singt bei Klez.E. So ein bisschen Radiohead auf deutsch könnte man das nennen. Vom ersten Album mochte ich zunächst nur die Single "Realfernsehen", vom zweiten Album "Flimmern" in erster Linie das handgebastelte Cover-Artwork. Grund genug für mich, die CD zu kaufen.

Und für diese gilt ähnliches wie für "El Cielo" von Dredg: Nicht der einzelne Song steht im Vordergrund, sondern eben das Gesamtkonstrukt. Es gibt übrigens auch ein ebenfalls tolles Remixalbum, bei dem alles mit Elektronik nachgespielt wurde (unter dem Bandnamen zk.eel). Auch dieses weiß zu gefallen.

PeterLicht - Lieder vom Ende des Kapitalismus (28. April 2006) [Top 50]

PeterLichtIn einer Zeit, in der MTViva noch wichtig für die Musikszene waren, hatte PeterLicht bereits seinen ersten großen Hit. "Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck" war ein sehr erfrischender Mix aus Popmusik, Elektroklängen und auch Indie-Attitüde - und genau deshalb konnte jeder diesem Lied etwas abgewinnen. Es folgte ein zweites Album mit der Single "Safarinachmittag" und eben im Jahr 2006 das große dritte Album. Von den Elektronikspielereien ist nicht mehr viel übrig geblieben, dafür aber machte PeterLicht ein Geheimnis aus sich selbst: Auf Pressefotos schwebt dann gerne mal eine Tasse vor seinem Gesicht, in der Harald-Schmidt-Show war er nur am Hals abwärts zu sehen.

Der Kult um PeterLicht steht über allem, die Musik aber nicht weit zurück. Vor allem nicht die "Lieder vom Ende des Kapitalismus". Unvergessen sein Auftritt auf dem Immergut, der im Zelt schon fast Oktoberfest-Atmosphäre hatte. Ausgedruckte und im Publikum verteilte Songtexte, Polkarhythmen, Mitsinghymnen - großes Kino.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

The Dresden Dolls - Yes, Virginia (21. April 2006) [Top 50]

DresdenDollsDie Dresden Dolls hielt ich ursprünglich - bevor ich auch nur ein Lied von ihnen kannte - für eine Punkband. So ein "Dolls" am Ende ist ja immer gefährlich, und dazu noch eine deutsche Stadt im Bandnamen... muss Punk sein! Daher ging das erste Album auch spurlos an mir vorbei. Das zweite dann nicht mehr. Ging ja kaum. "Sing" war eine so wundervolle Popballade, die sogar auf Klingelton-MTViva rauf und runter lief. Ein kurzes Reinhören ins Album "Yes, Virginia" bestätigte: Die machen keinen Punk. Und irgendwie aber doch: Amanda Palmer und Brian Viglione nennen ihre Musik "Brechtsches Punk Cabaret". Kann man machen, muss man aber nicht. Amanda Palmer hatte wohl Angst, in die Gothic-Schiene reinzugeraten.

Auf jeden Fall ist es für mich noch ein absolutes Muss, entweder die momentan auf unbestimmte Zeit pausierenden Dresden Dolls oder Amanda Palmer einmal live zu sehen - oder am besten beide. Es gibt Abertausende von youtube-Livemitschnitten von Hunderten von Coverversionen, und (fast) jede einzelne ist großartig.

Voltaire - Heute ist jeder Tag (17. März 2006) [Top 50]

VoltaireEs war irgendwann im Herbst 2004, vermutlich so Anfang November. Überall in der Stadt hingen kleine DinA4-Plakate, die ein Konzert der völlig unbekannten Band Voltaire im Nachtcafé ankündigten. Da ich damals für kiel4kiel.de schrieb, dachte ich, ich schau mir das mal an - kostet ja für einen Schreiberling nichts. Für die "Normalsterblichen" bedeutete dies acht Euro Eintritt, und es waren nicht wenige, die sich offenbar von den Plakaten anlocken ließen, am Eingang aber dann doch Kehrt machten. Für eine Band, die man mal gar nicht kennt (myspace war damals noch nicht so geläufig), zahlt man eben als Pärchen nicht mal so 16 Euro. Auch das für Kiel untypische milde Wetter hatte sicherlich seinen Anteil dran, dass viele wieder gingen und das Nachtcafé leider nicht so voll wurde.

Was Voltaire uns dann aber boten, war vom Allerfeinsten. Irgendwo zwischen Muse und Radiohead, nur halt mit deutschen Texten. Zau-ber-haft! Ich hatte das damals so viel schöner beschrieben für kiel4kiel.de, da war das Konzert aber noch frischer und ich noch euphorischer. Diese Rezension kam übrigens auch bei der Band gut an: Als Voltaire ein Jahr später - diesmal zumindest schon mit der großartigen "Flut"-EP im Gepäck - erneut ins Nachtcafé kamen, trudelten bei kiel4kiel.de wie so üblich auch die Presseinfos zu der Band ein. Ein Großteil meiner Konzertkritik fand sich da wieder, das fand ich ganz wundervoll damals. Ebenso wundervoll auch die Mail vom Vater des Drummers, die ich bekam. In dieser schrieb er mir, wie er sich freuen würde, dass die Musik Leute begeistern kann und wie sehr er hofft, dass sein Sohn den Durchbruch schaffen würde.

Nunja, von der Musik leben können Voltaire sicherlich nicht. Aber sie haben zurecht wohlwollende Kritiken bekommen zu ihren beiden bisherigen Alben und sind zumindest keine Unbekannten mehr. Acht Euro würden heute sicherlich viele zahlen.

Malajube - Trompe L'Oeil (Februar 2006) [Top 50]

MalajubeBlame Canada, blame Canada... Malajube sind die ersten seit "Joe le taxi" von Vanessa "Sexy Zahnlücke" Paradis, die mich trotz französischer Texte in den Bann ziehen konnten. Und die ersten seit "Ca plane pour moi", bei denen es an der Musik lag. So gut, dass ich mich sogar drauf einließ, in Berlin ein Interview mit denen zu führen. Ich hatte zufällig eh gerade wegen u.a. eines Bright Eyes- und eines Virginia Jetzt!-Konzerts und natürlich wegen Knut im März 2007 eine Reise in die Hauptstadt geplant, von daher passte das also gut rein. Am frühen Freitagabend angekommen, dann aufs Malajube-Konzert und viel zu viel getrunken. Am Samstag dann mit Kater hin zu den heiligen Hallen von unser aller Berliner Lieblingslabel "City Slang". Auf dem Weg dorthin fiel mir dann ein: Was, wenn die überhaupt nicht englisch sprechen? Denn Französisch war nun nicht gerade mein Paradefach in der Schule gewesen... Ich hatte Glück: Malajube, zumindest der Bassist, den ich interviewte, konnte ganz gut englisch. Auf jeden Fall besser als ich. Das Interview geht als mein schlechtestes für immer in die Geschichte ein, schlimmer kann's nicht werden. Aber hej, dafür sah ich zwei Tage später Knut, den Uhl und den Conor - alle am selben Tag. Hammer!

Und ganz wichtig: Dieses Negativerlebnis hatte keinen Einfluss auf meine Beziehung zu Malajube. Zwei weitere Male durfte ich die Band bislang sehen, und beide Male konnte sie mich vollends überzeugen.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Dredg - Catch Without Arms (21. Juni 2005) [Top 50]

DredgDredg die Zweite: Als ich diese Liste hier zusammensammelte, hatte ich letztlich rund 70 Alben auf dem Zettel (sprich: in der Textdatei). Ich beschloss, dies auf 50 Alben runterzukochen, denn 50 ist eine schön runde Nummer. Zuvor hatten viele Bands (u.a. Tomte, kettcar, Idlewild) zwei Alben in der Liste stehen, nach dem Ausmerzen blieb lediglich Dredg mit Doppelnennung übrig. Im Gegensatz zum insgesamt beachtlicheren "El Cielo" stehen auf "Catch Without Arms" die einzelnen Songs im Vordergrund. Das Album befindet sich nicht im Fluss, aber liefert einem dafür eine Hymne nach der anderen.

Dredg sind neben Jimmy Eat World übrigens die einzigen, die ich binnen 15 Stunden gleich zweimal live gesehen hatte - beide Male in Dortmund. Im Juli 2003 war ich dort auf dem VISIONS Westend, und vor dem ersten Festivaltag gab es noch eine Vorglühparty in einem kleinen Dortmunder Club. Dredg spielten dann dort mitten in der Nacht und gleich am nächsten Nachmittag noch einmal auf der Festivalbühne. Es waren leider bislang auch die letzten Auftritte, die ich von ihnen gesehen hab. Wird mal wieder Zeit...

The Robocop Kraus - They Think They Are The Robocop Kraus (20. Juni 2005) [Top 50]

RobocopKrausEs war mein allererstes Immergut im Jahre 2003, und viele der auftretenden Bands kannte ich gar nicht. Die Band, die mich am meisten positiv überraschte, waren The Robocop Kraus aus Nürnberg. In rot-weißen Anzügen standen die "Robos" auf der Zeltbühne, das Publikum flippte im Laufe des Konzerts völlig aus. Das Zelt hat diesen wunderbar elastischen Boden und man fühlte sich wie auf einem kleinen Trampolin, als die Band so Gassenhauer wie "Danny Is Passing" und besonders "Fake Boys" spielten.

Dies war aber noch lange nicht der Höhepunkt von The Robocop Kraus, denn erst zwei Monate später veröffentlichten sie ein Album mit ausschließlich Hits. So schaffte es die Band auch tatsächlich bislang als einzige, mich in den Punkschuppen "Alte Meierei" in Kiel zu locken.

Maxïmo Park - A Certain Trigger (16. Mai 2005) [Top 50]

MaximoParkAchtung: Hypeband! Maximo Park waren 2005 die ganz große Nummer in Indiehausen. Das Immergut bewies mal wieder ein gutes Händchen und verpflichtete die Band bereits Anfang des Jahres für den Sommer. Als das Festival dann Ende Mai bevorstand, waren Maximo Park plötzlich ganz groß und das Immergut tat gut daran, Maximo Park auf eine Headlinerposition zu hieven. Super-Konzert damals!

Von diesen ganzen Hypebands, die im Jahre 2005 emporschossen, sind Maximo Park, speziell eben das Debütalbum "Apply Some Pressure" eine der wenigen, die ich auch heute noch sehr gerne hören kann.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Okkervil River - Black Sheep Boy (5. April 2005) [Top 50]

OkkervilRiverAuf den frühen King Kong Klub Plakaten standen noch Bandnamen drauf, damit Kiel auch weiß, worum es bei der Party überhaupt geht. Okkervil River standen dort auch drauf, wenngleich ich die Band dort nie gehört hatte. Vor allen Dingen aber wurden sie falsch geschrieben und hinterließen so einen frankophilen Eindruck: "Okkerville River" stand dort nämlich.

Nichtsdestotrotz aber verliebte ich mich schnell besonders in "For Real" und das wundervolle zugehörige Video (siehe unten). Was für mich aber ewig negativ in Bezug auf Okkervil River in Erinnerung bleiben wird, ist, dass ich die Band auf dem Immergut 2006 leider verpasste - weil ich zu betrunken war und im Zelt meinen Rausch ausschlief, um zu den danach spielenden Tomte wieder fit zu sein. Immerhin klappte dies, und ich verpasste neben Okkervil River nur Mia., die ich eh nicht sehen wollte. Aber ich verpasste eben Okkervil River.

Kent - Du & Jag Döden (15. März 2005) [Top 50]

KentUm die Jahrtausendwende gab es ein Plattencover, welches mich in Geschäften immer magisch anzuziehen schien: "Hagnesta Hill" von Kent. Ich kannte aber die dahinter verborgene Musik nicht und kaufte das Album daher nicht.

Was ich damals nicht wusste: Kent sind die (Indie-)Rock-Superstars schlechthin in Schweden, am Rest Europa biss man sich aber damals die Zähne aus. Dabei hatte die Band auf dem Höhepunkt ihrer Karriere Ende der Neunziger extra die beiden Alben "Isola" und "Hagnesta Hill" ein zweites Mal in englisch veröffentlicht (normalerweise wird auf schwedisch gesungen). Sie ernteten auch weiterhin wohlwollende Kritiken, die Verkaufszahlen jedoch blieben hinter den Erwartungen zurück. Fürs fünfte Album "Vapen & Ammunition" verzichtete man auf eine Übersetzung und es hatte durchaus den Anschein, die Band hätte aufgegeben. Deshalb war es hierzulande auch schwierig, von der Veröffentlichung "Du & Jag Döden"s überhaupt Wind zu bekommen, denn das Album wurde in Deutschland gar nicht erst veröffentlicht. Nach einem großen Hype von einem Kieler Indie-DJ und -Blogger namens Peter ließ ich mir das Album jedoch importieren und war sofort Feuer und Flamme. Schnell wurde der gesamte "Back-Catalog" bestellt, inklusive B-Seiten-Sammlung und "Hagnesta Hill" und "Isola" sowohl in englisch als auch in schwedisch.

Doch wieder einmal war es wie so oft: Nach meiner Entdeckung ging es rapide abwärts mit Kent: Seit dem 2007er "Tillbaka Till Samtiden" wurden elektrische Klänge in den Sound integriert, was dummerweise auf Lasten der Melodien ging. Nichtsdestotrotz würde ich gerne mal ein Konzert von Kent besuchen, südlicher als Dänemark spielen sie aber wohl nicht mehr. Aber Kopenhagen ist ja nun nicht so weit.

Arcade Fire - Funeral (14. September 2004) [Top 50]

ArcadeFireGeige, Bratsche, Cello, Kontrabass, Xylophon, Akkordeon, Harfe, Mandoline - Arcade Fire waren mit die ersten, die unter ihren Indierock folkloristische Klänge einbauten und damit große Erfolge feierten. Es folgten viele Nachahmer, einige davon sind auch richtig gut.

Mehr kann ich zu der Band leider nicht schreiben. Ich hoffe, dass Arcade Fire vielleicht ja 2010 aufs Immergut kommen, denn Bands mit zehn oder mehr Mitgliedern auf der Bühne finde ich immer wieder faszinierend.

Montag, 14. Dezember 2009

Modest Mouse - Good News For People Who Love Bad News (6. April 2004) [Top 50]

ModestMouseFrühjahr 2004: Irgendeine weitere "The"-Band wird bei plattentests.de als "Album der Woche" mit recht selten erreichten 9/10 Punkten abgefeiert. Das Problem: Nirgends im Internet finde ich größere Informationen zu ihr. Und noch seltsamer: Am nächsten Tag ist die CD-Rezension wieder spurlos verschwunden. Was geht denn hier ab?

Dafür aber prankte nun sogar eine noch viel seltener vergebene 10/10 ganz oben: "Good News For People Who Love Bad News" von Modest Mouse. Und sowas von verdient: Ob Tanzflächenkracher "Float on", Pixies-Rocker "Bury me with it" oder der wundervolle Rausschmeißer "The good times are killing me" - Modest Mouse setzten bereits vor der Verpflichtung von Johnny Marr ihren eigenen Meilenstein.

Die "The"-Band vom Vortag entpuppte sich letztlich übrigens als Aprilscherz. Normalerweise falle ich auf so etwas nicht herein, aber eine Plattenrezension hatte ich einfach nicht als Aprilscherz erwartet. Im Nachhinein verstehe ich nicht, warum ich drauf reinfiel: Die Band hieß "The Telephones", das Album "Sing when you're ringing". Hatte mich wohl blenden lassen...

Youth Group - Skeleton Jar (22. März 2004) [Top 50]

YouthGroupYouth Group wiederum ist eine Band, zu der ich nicht viel erzählen kann. Hier gibt es keine großen Erinnerungsfetzen - lediglich eine gutre Rezension auf plattentests.de. Hier wurden als Referenzen dieser Australier zu allererst Nada Surf und Death Cab For Cutie genannt. Beste Voraussetzungen also dafür, dass ich "Skeleton Jar" lieben werden könnte.

Und so war es dann auch: Die CD wurde blind gekauft, der Vorgänger gar aus Australien importiert und im Youth Group Forum über Livemitschnitte zu neuen Songs diskutiert. Neben dem völlig unübersichtlichen offiziellen Weezer-Forum war dies das einzige englischsprachige Diskussionsforum, in dem ich je Mitglied war. Glaube ich. Mittlerweile sind Youth Group zumindest in "Down Under" Stars, ihr Alphaville-Cover "Forever Young" brachte sie auf Platz 1 der Charts. An die Großtat "Skeleton Jar" werden aber auch sie nicht noch einmal anknüpfen können.

The Shins - Chutes Too Narrow (21. Oktober 2003) [Top 50]

ShinsIch glaube, The Shins waren die erste Band, die ich durch Pichfork entdeckte. Noch heute finde ich Pitchfork eine äußerst strange Seite und werde wohl nie verstehen, warum man bei der Bewertung von 0 bis 10 auch noch mit Nachkommastellen rumhantiert. Doch wohl nur, um übermäßig cool zu wirken, denke ich. Auf jeden Fall wurde "Chutes Too Narrow" dort abgefeiert, und da mir das CD-Cover gefiel, hörte ich mal schnell rein und fand es ganz okay. Nicht mehr oder nicht weniger.

Wie so häufig benötigte ich einen weiteren "Trigger", und diesen bekam ich - wie so viele - durch den Film "Garden State" und insbesondere durch den Dialog zwischen Zach Braff und Natalie Portman: "What are you listening to?" - "The Shins. You know them?" - "No." - "You gotta hear this one song. It'll change your life. I swear." Und wenig später setzt Natalie dem Zach die Kopfhörer auf und es läuft "New Slang". Okay, der Song ist vom ersten Album "Oh, Inverted World". Aber nungut, die Shins wurden wiederentdeckt und endgültig ins Herz geschlossen.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Death Cab For Cutie - Transatlanticism (7. Oktober 2003) [Top 50]

DCFCJahr für Jahr hofft man vergeblich, dass Death Cab For Cutie endlich mal auf dem Immergut auftreten werden. Kemper, Hauptinitiator des Festivals, ist riesiger Fan von Ben Gibbard, aber in den ersten Jahren wollte es offenbar einfach zeitlich nicht klappen. Und spätestens seit drei Jahren sind Death Cab auch einfach zu groß, zu erfolgreich - und damit zu teuer für Neustrelitz. Schade drum.

Kennenlernen durfte ich die Band dennoch durch ihn bzw durch den Immergut-Sampler aus dem Jahre 2003. Wenige Monate später erschien dann das - neben Vorgänger "The Photo Album" - Meisterwerk der Band: "Transatlanticism" erschien auch noch auf dem Grand Hotel van Cleef und hatte von daher schon gleich gewonnen. Sei es die Hymne "The New Year" als Opener, das nachdenklich pluckernde "Title and Registration" mit fantastischem Video (siehe unten!) oder aber der Discohit "The Sound of Settling" - "Transatlanticism" hat alles, was man von einem guten Rockalbum erwarten kann.

Übrigens: Ben Gibbard ist auch Sänger und damit eine Hälfte von "The Postal Service", die es mit ihrem elektronischen Indiepop und dem Album "Give Up" ebenfalls beinahe in diese Liste geschafft hätten. "Such Great Heights" ist der vielleicht beste Song dieses Millenniums, wie ich finde. Leider wird wohl - nach vielen Gerüchten in den letzten drei Jahren - kein zweites Album mehr von der Band erscheinen.

Rocky Votolato - Suicide Medicine (16. September 2003) [Top 50]

RockyVotolatoNur im Hinterkopf hatte ich damals in den Neunzigern von einer Indierockband namens Waxwing gehört. Aber nie reingehört und auch aufs Erste wieder vergessen. Bis eines Tages ein Mitglied aus dem altehrwürdigen GHvC-Forum andauernd einen Herren namens Rocky Votolato anpries. Wieder einmal verhinderte meine mir angeborene Arroganz, dass ich mich früher mit ihm befasste, weil sein Name mich mit dem V am Anfang und den Vokalen an den Positionen 2, 4, 6 und 8 an die Abkürzungen eines Frisurverbrechens erinnerte, für das Pur-Sänger Hartmut Engler bekannt war.

Dank wikipedia und anderer Mithyper bemerkte ich dann aber, dass es sich bei Rocky Votolato um den ehemaligen Waxwing-Frontmann auf Solopfaden und den zukünftigen Ehemann melodys handelte. Ich gab ihm daher eine Chance, so richtig konnte diese aber nur das Album "Suicide Medicine" nutzen. Teils sehr beklemmende Lieder, "Emo für Erwachsene" könnte man meinen.

Mando Diao - Bring 'Em In (26. August 2003) [Top 50]

MandoDiaoEs war der März 2005, als zum ersten Mal in Kiel der "King Kong Klub" stattfand - im altehrwürdigen "Vinyl" in der Eggerstedtstraße. Zwei Jahre lang verpasste ich keine dieser monatlich stattfindenden Parties, immerhin plakatierte ich damals auch die Stadt mit den Plakaten und gehörte mehr oder weniger zum "Team".

2005 war das El Dorado für diese ganzen hippen Indiebands, und wenn sie ausnahmsweise mal nicht aus England stammten, dann kamen sie aus Schweden. Mando Diao sind eine dieser Ausnahmen und im Gegensatz zu den anderen Bands gehörten sie schon zu den "alten Hasen". Denn... *trommelwirbel*: Mando Diao hatten bereits zwei Alben rausgebracht. Dies bedeutete vor allem für die DJs Frank und Bennet eine riesige Auswahl, weshalb dann auch auf wirklich jeder Party im Jahr 2005 mindestens zwei Songs von Mando Diao liefen. Mittlerweile hat die Band fünf Alben draußen und haben spätestens mit dem Nummer1-Hit "Dance With Somebody" erst einmal ausgesorgt. Aber Hand aufs Herz: So richtig gut waren lediglich "Bring 'Em In" und mit Abstrichen noch der Nachfolger "Hurricane Bar". Erstaunlich vor allem, dass das erste Album im Grunde schon im Jahre 2002 aufgenommen wurde - und drei Jahre später klangen tausende Bands genauso. Mando Diao gehören zu den wenigen Bands, die das alles, was 2005 passierte, möglich machten.

Samstag, 12. Dezember 2009

Tomte - Hinter all diesen Fenstern (28. April 2003) [Top 50]

TomteÜber kettcar hab ich ja schon ausführlich geschrieben, und all die Lobhudeleien gelten genauso, wenn nicht sogar noch mehr für Thees Uhlmann und Tomte. Als sich mir kettcar erschloss und ich über deren Homepage auf das selbstgegründete Label "Grand Hotel van Cleef" aufmerksam wurde, dauerte es nur wenige Minuten, bis ich die ersten beiden Tomte-CDs bestellte. So ganz meins war es nicht, lediglich "Korn & Sprite" mochte ich. Das änderte sich aber wenige Monate später, als dann "Hinter all diesen Fenstern" erschien. Hymnen non-stop mit wundervoll tiefschürfenden Texten!

Die schönste Anekdote im Rahmen eines Tomte-Konzerts ereignete sich für mich beim label-eigenen Festival namens "Fest van Cleef" in Großefehn. Ein befreundeter Fotograf und ich hatten beide einen Pass für den Fotograben und warteten schon ungeduldig darauf, dass die Band endlich anfangen würde - immerhin mussten wir noch nachts zurück nach Hamburg bzw. Kiel. Da bemerkte ich, dass mein Handy in meiner Kameratasche vibrierte, kam aber nicht mehr rechtzeitig dran. Ich las nur "Anruf von Thees Uhlmann" und sagte zum anderen Fotografen genervt, dass die Band gefällifst spielen und nicht telefonieren solle. Da klingelte das Handy erneut, wieder war es Thees. Diesmal ging ich dran: "Ey, ihr sollt mal bitte anfangen!" Thees, den ich jetzt hinten am Bühnenrand entdeckte, entgegnete: "Kannst du mal bitte ein Foto von mir machen, wie ich hier megawichtig auf der Bühne stehe und telefoniere?" Natürlich tat ich es (und natürlich wurde das Foto nix...). Das Getuschel in den ersten Reihen ("Ich glaube, der Fotograf telefoniert gerade mit Thees!!!!111") werde ich nienienie vergessen. Hach, was fühlte ich mich wichtig!

Tomte? Maximum global respect!

Ours - Precious (5. November 2002) [Top 50]

OursSo viel ich zu kettcar schreiben könnte, so wenig kann ich über die Band Ours berichten. Wieder einmal war die VISIONS dran schuld und eine Plattenrezension, die mit 11 von 12 Punkten endete. "Precious" - wie auch der fast ebenso begeisternde Vorgänger "Distorted Lullabies" - blieben aber absolute Geheimtipps. Aber immerhin ein so heißer Tipp, dass ein zeitig gelieferter Nachfolger von "Precious" die Band um Mastermind Jimmy Gnecco vielleicht zu Superstars hätte katapultieren können.

Der Herr Gnecco jedoch zog erst von der Ost- an die Westküste, suchte sich dann die Legende Rick Rubin als Produzenten und werkelte und werkelte und werkelte. Als im Jahre 2008 dann tatsächlich endlich das Album "Mercy (Dancing for the Death of an Imaginary Enemy)" erschien, hatte die Musikwelt Ours schon wieder größtenteils vergessen. Und die Band drängte sich mit dem zwar guten, aber nicht an die alten Glanztaten anknüpfenden Album auch nicht wirklich auf. Vielleicht aber wird Herr Gnecco es ja irgendwann noch schaffen. Verdient hätte der Mann mit der wandelbaren Stimme es allemal, in einem Atemzug mit Bands wie Muse genannt zu werden.

kettcar - Du und wieviel von deinen Freunden (28. Oktober 2002) [Top 50]

kettcarEin Kommilitone von mir spielte mir irgendwann im Jahr 2000 ein bisschen was von ...But Alive vor. Ich achtete nicht groß drauf und fand es mit all meiner mir angeborenen Arroganz doof. Denn Björn hört eigentlich nur Altherrenrock (Van Morrison und Co.), von daher konnte ich ...But Alive gar nicht gutfinden und schaltete die Ohren vor Beginn des ersten Liedes schon auf Durchzug. Als Björn mich dann ein Jahr später darum bat, ihm die Gratis-EP der Nachfolgeband kettcar aus dem Internet runterzuladen, hab ich dies natürlich gerne getan, aber die Musik auch weiterhin ignoriert. Erst ein weiteres Jahr später, als die VISIONS einen Monat vor der Album-Veröffentlichung erstmals von dieser Band berichteten und diese in höchsten Tönen abfeierten, wurde ich hellhörig. Ohne auch nur ein Lied zu kennen, ging ich an diesem 28. Oktober 2002 zu Blitz Records und dort schnurstracks in der Indie-Abteilung zum Buchstaben "K". Zwei Exemplare des Albums hatten sie, und auch neben mir einen weiteren Interessenten: Ein Typ, mit dem ich fünfeinhalb Jahre zuvor Abi gemacht hatte, der einst großer Tocotronic-Fan war, aber den ich seit bestimmt zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte. In dem Moment wusste ich endgültig, dass ich das Richtige tat.

Und was soll ich noch sagen: Ich kaufte die CD und begann sie vom ersten Ton an zu lieben. Und liebe sie auch immer noch. Mittlerweile folgten zwei sehr gute Nachfolgealben, und bummelig zwanzig Konzerte von kettcar habe ich seitdem gesehen. Große Band, großes Musiklabel. Danke.

Freitag, 11. Dezember 2009

Feeder - Comfort In Sound (21. Oktober 2002) [Top 50]

FeederAuch Feeder entdeckte ich damals durch die VISIONS, und weil ich 2001/2002 noch immer nach einer Alternative für die schwächelnden Weezer suchte, war ich immer ganz Ohr, wenn diese Band als Referenz genannt wurde. "Echo Park" war dieses Album, und ja: Damit lag die VISIONS auch gar nicht mal so verkehrt. Dem poppigen "Buck Rogers" und dem verträumten "Piece by Piece" standen aber in der zweiten Hälfte des Albums einige Songs gegenüber, die eher nach Liquido klangen. Dennoch gab ich Feeder eine Chance, legte mir auch die alten Alben und ein Jahr später eben dieses "Comfort in Sound" zu. Im Gegensatz zu "Echo Park" ist das Album sehr viel homogener, sehr viel nachdenklicher - kein Wunder, da sich der Drummer Jon Lee Anfang 2002 umgebracht hatte und Sänger Grant Nicholas dies in vielen Songs verarbeitete. Auch wenn es hier und da fast schon zu gemächlich rüberkommt, dass sogar U2-Fans ihre helle Freude dran hätten, darf das Album hier nicht fehlen. Und auch, wenn "Just The Way I'm Feeling" irgendwie nach einem "Wonderwall"-Abklatsch klingt...

Dredg - El Cielo (8. Oktober 2002) [Top 50]

DredgDredg spielten im November 2002 im klitzekleinen "Logo" in Hamburg ein Konzert, und das halbe Weezer-Forum war damals vor Ort. Es war großartig, und wir waren nach dem Konzert allesamt so geflasht, dass wir alle vier danach in Hamburg-Dammtor in denselben Zug stiegen. Das Problem dabei: Nicht alle von uns mussten in den Norden! Das fiel dann unserer Erlangerin zwar relativ schnell ein, jedoch verpasste sie durch den klitzekleinen Umweg nach Pinneberg und zurück ihren Nachtzug. Nils und ich waren immerhin so nett, ihr in Hamburg bis zum morgendlichen Zug Gesellschaft zu leisten...

Ansonsten hat "El Cielo" noch die Bedeutung für mich, dass es meine erste CD-Rezension damals für kiel4kiel.de war. Und: Dredg ist übrigens die einzige Band, die gleich zweimal in diesen Top 50 auftauchen wird. "El Cielo" hat dabei die Angewohnheit, dass ich keinen einzigen Titel weiß, weil ich das Album - nicht nur wegen der fließenden Übergänge - ausschließlich "am Stück" höre. Sehr schön, sehr episch - so etwas mag ich.

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