The Coalminers' Beat – The Coalminers' Beat [Jugendsünden]
The Coalminers' Beat. Eine Band, die so gar nicht in mein damaliges musikalisches Raster fiel und in mein heutiges noch viel weniger. Wie es genau dazu kam, dieser Gruppe zu verfallen, kann ich heute auch nicht mehr zu hundert Prozent nachvollziehen. Auf jeden Fall hatte ein junger privater Radiosender – „jung“ im Sinne von „gerade erst 'on air' gegangen“ – einen nicht unerheblichen Anteil daran.
Es war 1993, und analoge UKW-Radiosender benötigte man damals etwa genau so wenig für musikalische Weiterentwicklung wie heutzutage. Während man nowadays das Internet hat, so schaute man damals MTV, um sich über neue Musik zu informieren. Ja, die spielten damals tatsächlich fast ausschließlich Musik und hatten obendrein mit Ray Cokes' Show „Ray's Request“ (später „Most Wanted“) auch noch die unterhaltsamste Abendshow in der Glotze. Erschwerend für den Faktor „Radio“ kam hinzu, dass es in Schleswig-Holstein zu diesem Zeitpunkt für populäre, zeitgenössische Musik lediglich NDR 2 und den Privatsender R.SH gab, die sich – zumindest in dieser Zeit – beide in Sachen Einfallslosigkeit nicht viel nahmen.
Dies sollte sich zum 1. Juli 1993 aber schlagartig ändern, zumindest wurde es einem damals weisgemacht: Mit „Alpha Radio“ startete der zweite Privatsender im Land und wollte ursprünglich besonders Freunde des abgehangenen Altherrenrocks an die Transistoren zurückholen. Schon nach wenigen Wochen wurde diese Nische ein wenig erweitert, weil den Betreibern offenbar recht schnell klar wurde, dass das Zielpublikum ansonsten äußerst überschaubar bleiben dürfte. Für mich war das noch immer nichts, aber ich hörte pflichtbewusst dennoch ab und an rein. Und andauernd lief ein Lied namens „Land Of Green“ von ebendieser Band „The Coalminers' Beat“. Rockmusik mit klaren Irish-Folk-Anleihen, oder kurz gesagt: Pfadfindermusik. Aber nicht nur den Fritzen des Senders, der sich aufgrund einen Namensstreits bald in „Delta Radio“ umbenennen musste (aber noch einige Zeit davon entfernt war, ins Rot-Schwarze zu wechseln und „den besten Rock-Pop des Nordens“ zu spielen), gefiel dieses Lied, sondern sowohl mir als offenbar auch den anderen fünf bis zehn Hörern. Zumindest R.SH übernahm „Land Of Green“ wenig später ins Programm und lud die aus der Nähe von Stuttgart kommende Band zur Kieler Woche 1994 ein.
Nein, auf dem Konzert war ich nicht mit dabei. Sehr wohl aber eine Gruppe Pfadfinder, von denen ich zwei Personen kannte, weil sie halt in meinem Jahrgang waren statt wie die anderen auf der Waldorfschule. Klingt nach bösem Seitenhieb, war aber so. Auf jeden Fall kam ich irgendwann auch nicht mehr an der Band vorbei und kaufte mir das selbstbetitelte Album. Im Gegensatz zu „Land Of Green“ sind die meisten Songs darauf noch deutlich folklastiger und von Geige, Akkordeon und anderen eher Charts-untypischen Instrumenten ummantelt. Und: Die meisten Songs wurden von einem anderen Sänger namens Gregor intoniert. Die schnellen „Give Me A Kiss“ und „Mexico“ sowie das ruhige „The Ballad Of Belly O'Connor“ wurden Songs, die ich die ganzen 90er Jahre über sehr liebte.
Bereits 1995, bevor ich die Band zum ersten Mal live erlebte, folgte mit „Colourblind“ das Nachfolgealbum. The Coalminers' Beat hatten sich offenbar an die Forderung von Sony gehalten, die neuen Lieder alle mehr im Stile von „Land Of Green“ zu halten. Mit anderen Worten: Die neuen Stücke waren alle deutlich rockiger, die Geige ertönte zumeist nur noch im Hintergrund, und Sänger Gregor hatte nichts mehr zu tun, weil nun Rocker Stefan Meissel alles singen durfte. Somit kein Wunder, dass Gregor die Band ein Jahr später verließ.
Bei meinem ersten Miners-Konzert war er aber noch dabei. Die Band spielte aber natürlich hauptsächlich Lieder vom zweiten Album, welches ich rückblickend gar als das bessere bezeichnen würde. Damals aber nicht. Vielleicht war ich da auch schon unter dem bösen Einfluss der bereits oben erwähnten Pfadfindergruppe, mit der ich in den folgenden Monaten noch öfter zu tun bekam. Nach dem Konzert trug ich mich auch in eine Liste für den Newsletter der Band ein, wodurch mir die Post etwa alle sechs Monate einen Brief brachte – Internet gab's anno 1995 ja noch nicht so wirklich. Durch die Newsletter erfuhr ich dann vom Ausstieg Gregors, vom Ende des Plattenvertrags mit Sony und davon, dass The Coalminers' Beat gar nicht die große, erfolgreiche Nummer waren, für die ich sie hielt. Denn während die Band in Kiel auch in den Folgejahren immer wieder vor 500 bis 1.000 Leuten spielten, wohnten ihnen außerhalb Kiels und ihrer Heimat nur rund ein Zehntel so viele Zuschauer auf ihren Konzerten bei. Ich sah The Coalminers' Beat noch einige Male live, zuletzt 1999, als sie ein riesiges Jubiläumskonzert spielten, bei dem dann auch Gregor sowie viele andere, irgendwann ausgestiegene Musiker mit dabei waren und bei dem auch vielerlei Klassiker vom ersten Album gespielt wurden.
2001 lösten sich The Coalminers' Beat nach zweieinhalb weiteren Alben auf. Ich erfuhr aber erst einige Jahre später davon.
Es war 1993, und analoge UKW-Radiosender benötigte man damals etwa genau so wenig für musikalische Weiterentwicklung wie heutzutage. Während man nowadays das Internet hat, so schaute man damals MTV, um sich über neue Musik zu informieren. Ja, die spielten damals tatsächlich fast ausschließlich Musik und hatten obendrein mit Ray Cokes' Show „Ray's Request“ (später „Most Wanted“) auch noch die unterhaltsamste Abendshow in der Glotze. Erschwerend für den Faktor „Radio“ kam hinzu, dass es in Schleswig-Holstein zu diesem Zeitpunkt für populäre, zeitgenössische Musik lediglich NDR 2 und den Privatsender R.SH gab, die sich – zumindest in dieser Zeit – beide in Sachen Einfallslosigkeit nicht viel nahmen.Dies sollte sich zum 1. Juli 1993 aber schlagartig ändern, zumindest wurde es einem damals weisgemacht: Mit „Alpha Radio“ startete der zweite Privatsender im Land und wollte ursprünglich besonders Freunde des abgehangenen Altherrenrocks an die Transistoren zurückholen. Schon nach wenigen Wochen wurde diese Nische ein wenig erweitert, weil den Betreibern offenbar recht schnell klar wurde, dass das Zielpublikum ansonsten äußerst überschaubar bleiben dürfte. Für mich war das noch immer nichts, aber ich hörte pflichtbewusst dennoch ab und an rein. Und andauernd lief ein Lied namens „Land Of Green“ von ebendieser Band „The Coalminers' Beat“. Rockmusik mit klaren Irish-Folk-Anleihen, oder kurz gesagt: Pfadfindermusik. Aber nicht nur den Fritzen des Senders, der sich aufgrund einen Namensstreits bald in „Delta Radio“ umbenennen musste (aber noch einige Zeit davon entfernt war, ins Rot-Schwarze zu wechseln und „den besten Rock-Pop des Nordens“ zu spielen), gefiel dieses Lied, sondern sowohl mir als offenbar auch den anderen fünf bis zehn Hörern. Zumindest R.SH übernahm „Land Of Green“ wenig später ins Programm und lud die aus der Nähe von Stuttgart kommende Band zur Kieler Woche 1994 ein.
Nein, auf dem Konzert war ich nicht mit dabei. Sehr wohl aber eine Gruppe Pfadfinder, von denen ich zwei Personen kannte, weil sie halt in meinem Jahrgang waren statt wie die anderen auf der Waldorfschule. Klingt nach bösem Seitenhieb, war aber so. Auf jeden Fall kam ich irgendwann auch nicht mehr an der Band vorbei und kaufte mir das selbstbetitelte Album. Im Gegensatz zu „Land Of Green“ sind die meisten Songs darauf noch deutlich folklastiger und von Geige, Akkordeon und anderen eher Charts-untypischen Instrumenten ummantelt. Und: Die meisten Songs wurden von einem anderen Sänger namens Gregor intoniert. Die schnellen „Give Me A Kiss“ und „Mexico“ sowie das ruhige „The Ballad Of Belly O'Connor“ wurden Songs, die ich die ganzen 90er Jahre über sehr liebte.
Bereits 1995, bevor ich die Band zum ersten Mal live erlebte, folgte mit „Colourblind“ das Nachfolgealbum. The Coalminers' Beat hatten sich offenbar an die Forderung von Sony gehalten, die neuen Lieder alle mehr im Stile von „Land Of Green“ zu halten. Mit anderen Worten: Die neuen Stücke waren alle deutlich rockiger, die Geige ertönte zumeist nur noch im Hintergrund, und Sänger Gregor hatte nichts mehr zu tun, weil nun Rocker Stefan Meissel alles singen durfte. Somit kein Wunder, dass Gregor die Band ein Jahr später verließ.
Bei meinem ersten Miners-Konzert war er aber noch dabei. Die Band spielte aber natürlich hauptsächlich Lieder vom zweiten Album, welches ich rückblickend gar als das bessere bezeichnen würde. Damals aber nicht. Vielleicht war ich da auch schon unter dem bösen Einfluss der bereits oben erwähnten Pfadfindergruppe, mit der ich in den folgenden Monaten noch öfter zu tun bekam. Nach dem Konzert trug ich mich auch in eine Liste für den Newsletter der Band ein, wodurch mir die Post etwa alle sechs Monate einen Brief brachte – Internet gab's anno 1995 ja noch nicht so wirklich. Durch die Newsletter erfuhr ich dann vom Ausstieg Gregors, vom Ende des Plattenvertrags mit Sony und davon, dass The Coalminers' Beat gar nicht die große, erfolgreiche Nummer waren, für die ich sie hielt. Denn während die Band in Kiel auch in den Folgejahren immer wieder vor 500 bis 1.000 Leuten spielten, wohnten ihnen außerhalb Kiels und ihrer Heimat nur rund ein Zehntel so viele Zuschauer auf ihren Konzerten bei. Ich sah The Coalminers' Beat noch einige Male live, zuletzt 1999, als sie ein riesiges Jubiläumskonzert spielten, bei dem dann auch Gregor sowie viele andere, irgendwann ausgestiegene Musiker mit dabei waren und bei dem auch vielerlei Klassiker vom ersten Album gespielt wurden.
2001 lösten sich The Coalminers' Beat nach zweieinhalb weiteren Alben auf. Ich erfuhr aber erst einige Jahre später davon.
Cappui - 29. Jun, 10:06

Den Anfang macht ein Album, das auch in meinem musikalischen Passivwirken den Anfang machte (alte Klaus&Klaus-Kassetten mal ausgeklammert). Es war 1991, und wie so oft war ich über Pfingsten zu Gast bei meinen Cousins in Ditschiland (aka Dithmarschen). Den Grund dafür stellte Jahr für Jahr der große „Pfingstmarkt“ dar, also eine Art Jahrmarkt, nur dass er im Vergleich zur Kieler Kirmes nur über drei Tage ging und man nicht Gefahr lief, von Mettenhofern verprügelt zu werden. Nun gut: Die Dithmarscher Dorfjugend ist sicherlich nicht viel ungefährlicher, aber das wusste ich damals nicht und mir war auch nie irgendwas passiert (bis zu dieser eigenartigen Wodka-Geschichte mit dem Palmenmann einige Jahre später, aber das gehört hier nicht rein...). Auf jeden Fall gab es dort ein Fahrgeschäft nicht unähnlich dem „Metroliner“ im Hansa Park: Es geht schnell im Kreis und mal vorwärts und mal rückwärts. Einzig anders war, dass irgendwann während der Fahrt ein Verdeck über die einzelnen Wagen gestülpt wurde, damit man ungestört hätte knutschen können, weshalb dieses Gefährt dann auch irgendwie „Love Tunnel“ oder ähnlich hieß. Natürlich machten nicht nur wir, sondern auch alle anderen von diesem Gimmick keinen Gebrauch.
Kurz darauf beschließen Offi und ich, dann doch zum Fußballturnier zu gurken. Weil sich die Hooligans von Dynamo Berlin sowie deren Fans für die Fips-Asmussen-Kampfbahn in Neustrelitz angekündigt haben, findet das Immergutzocken in diesem Jahr in der Fips-Asmussen-Kampfbahn in Alt-Strelitz statt. Cleverer Schachzug. Der Busfahrer des Shuttlebusses wird bereits nach wenigen Sekunden zum Kult erklärt. „Genau so stellt man sich einen ostdeutschen Busfahrer vor“, meint Offi, und ergänzt dann: „Naja, einen westdeutschen auch.“ Es hat schon ein wenig Mannschaftsbus-Atmosphäre, wie wir dort in zweiter Reihe sitzend, mit Streuselschnecken und Bier im Rucksack auf weitere Mitfahrer warten.
Hachja, der Jonah Matranga. Wenn man mich nach den fünf wichtigsten, einflussreichsten Musikern für meinen Geschmack fragt, darf er einfach nicht fehlen. 2001 war es, als auch ich auf der hohen Emo-Welle surfte und das „Album des Monats“ in der Visions unbedingt konsumieren musste: „Thriller“ von New End Original war neben Thursdays „Full Collapse“ der endgültige Höhepunkt einer Szene, die nie eine eigene sein wollte und letztlich im Teenie-Screamo-Einheitsbrei unterging. New End Original galten dabei als „Supergroup“, denn sie bestand aus Mitgliedern der aufgelösten Bands Texas Is The Reason und Far. Beiden Bands näherte ich mich dann posthum an und war ebenfalls begeistert, insbesondere von „Water & Solutions“, dem vorerst letzten Werk Fars, der ersten Combo von Jonah Matranga.
Auf dem Festivalgelände dann erst einmal das obligatorische Torwandschießen. Nie zuvor hatte es für mich gereicht, mich direkt für das samstägliche Fußballturnier zu qualifizieren. Und diesmal: Ein Schuss, ein Treffer. Leider geht es so nicht weiter, so dass es bei diesem einen Tor bleibt und ich letztlich kein Losglück habe. Ein zweiter Treffer hätte definitiv gereicht, denn dieser St.Pauli-Mokel, der vor mir dran war, traf auch nur einmal und stand am nächsten Tag in der Fanmannschaft. Aber dazu kommen wir später.
Weiter mit der Musik: Vierkanttretlager im Zelt gefallen mir ganz gut, als Schleswig-Holsteiner muss man ja auch zusammenhalten. Als Official Secret Act auf der Waldbühne entpuppt sich die Band Official Secrets Act. Verrückte Welt! Offi wartet die ganze Zeit auf deren großen Hit und der kommt natürlich irgendwann ganz zum Schluss. Schlecht ist die Musik zwar nicht, aber schon irgendwie eintönig auf Dauer. Dann geht’s wieder zurück ins Zelt, wo We Were Promised Jetpacks schnell klarstellen, dass es ein Fehler war, sie nicht auf die große Bühne zu stellen. Das Zelt ist sehr gut gefüllt und besonders zu „Quiet Little Voices“ wird auch gut mitgesungen und -gefeiert. Dann aber ist es endlich Zeit für das unumstrittene Highlight des Immergut, auch wenn Offi da anderer Meinung ist. Soviel zum Thema unumstritten. The Go! Team machen mächtig Radau auf der Waldbühne, spielen alle Hits und einige neue Stücke. Tims Ankündigung im Vorfeld, die Band sei live sehr krachig, kann ich auf jeden Fall nicht unterschreiben. Sicherlich stehen die Gitarren mehr im Vordergrund als auf Platte, aber das hat schon noch alles Hand und Fuß. Ein sehr toller Auftritt, die Band kann man sich gerne noch einmal anschauen.
Dass im Jahre 2010 schon im Vorfeld alles anders ist, wirkt zunächst befremdlich: Drei Bühnen statt zwei, unbekannte Bands statt guter, Fußballturnier in Alt- statt Neustrelitz – nur drei von vielen Neuerungen, die nach dem Jubiläumsfestival des Vorjahres (größtenteils) bedingt durch eine neue Veranstaltercrew anfallen. Immerhin bleibt entgegen anders lautender Gerüchte das Festivalgelände das gleiche, und auch die Anzahl der Ticketverkäufe wird nicht angehoben. Wobei man bei letzterem gar nicht sicher sein kann, denn das Immergut ist 2010 tatsächlich erstmals seit vielen vielen Jahren – ich selbst hatte dies noch nie erlebt – nicht ausverkauft.
Das Programm in diesem Jahr ist wirklich mehr als mies, aber immerhin gibt es einen Auftritt von Selig am 22. Juni. Also Grund genug, zumindest einen Abend wegzugehen. Vielleicht noch zu Illegal 2001 am Freitag. Und wer weiß: Möglicherweise steckt hinter dem "t.b.a." am Mittwoch auf der "Unser Norden"-Bühne ja doch noch jemand Gutes.





